ACATENANGO | FEURIGE VULKANTOUR

Hätte uns im Vorhinein wer erzählt, dass wir aus einer Entfernung von gerade mal drei Kilometern einem aktiven Vulkan beim Ausbrechen zuschauen werden – und das nicht in Todesangst, sondern mit Begeisterung – wir hätten’s wohl kaum geglaubt. Und doch sollten wir genau das tun. Und es würde eine der intensivsten Erfahrungen werden, die wir im Zuge unserer bisherigen, ohnehin ja nicht gerade ereignisarmen Reisen erleben durften.

Heißer Tipp für Guatemala: Besteigung des Acatenango

Dass wir überhaupt auf die Idee gekommen sind, uns einen Vulkanausbruch aus nächster Nähe zu Gemüte zu führen, haben wir einer französischen Familie zu verdanken, die wir in Mexiko kennenlernten. Das Paar, das mit drei Kindern in einem LKW-Umbau von Argentinien aus auf dem Weg in Richtung Alaska war, hat uns die Besteigung des Acatenango-Vulkans als eines ihrer Best-of-Reiseerlebnisse ans Herz gelegt. Von dort aus habe man nämlich freien Blick auf den immer wieder ausbrechenden Vulkan Fuego. Und da die bestimmt schon einiges gesehen haben, wussten wir sofort, dass das eine jener Empfehlungen ist, der zu folgen sich lohnen könnte. Und wir sollten richtig liegen.

Dass wir, abgesehen von einem Blick auf die Länderinfo-Seite des österreichischen Außenministeriums, nicht weiter recherchiert haben, was die vom Vulkan ausgehende Gefahr angeht, erwies sich rückblickend ebenfalls als gute Entscheidung – wer weiß, ob wir den Trip sonst gemacht hätten. Und wenn, dann wohl mit einem ganz anderen Gefühl.

Tour oder nicht Tour?

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© JanickWeger

In Antigua angekommen, informierten wir uns gemeinsam mit unseren zwei Berliner Mitreisenden Johanna und Janick über die Touren, die auf den Acatenango angeboten werden. Unsere Recherchen im Internet hatten vorab ergeben, dass geführte Touren einschließlich Übernachtung am Vulkan erst ab rund 90 US-Dollar pro Person angeboten werden. Vor Ort stellte sich zum Glück heraus, dass wir solche bereits ab rund einem Drittel dieses Preises, einschließlich aller Gebühren und drei Mahlzeiten, buchen können. So entschieden wir uns entgegen anfänglicher Überlegungen, das Ganze ohne Guide zu machen, dann doch für eine geführte Tour, was eigentlich auch Vorschrift und bestimmt auch um einiges einfacher und sicherer ist.

Wandern mit Polizeieskorte?

Den Sicherheitshinweis des österreichischen Außenministeriums, man solle die Tour auf den Acatenango nicht ohne eigens angeforderte Polizeieskorte (!) machen, befolgten wir nicht. Mit den rund zehn Mitwanderern, unserem Guide und mehreren anderen Gruppen, auf die wir am Weg rauf immer wieder stießen, fühlten wir uns keine Sekunde lang unsicher.

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© JanickWeger

Hier mit einer Polizeieskorte im Schlepptau aufzutauchen, wäre – gelinde gesagt – unnötig und ziemlich peinlich gewesen. Andere, weit nützlichere sicherheitsrelevante Informationen zum Thema Acatenango-Besteigung hat uns unser wertes Außenministerium hingegen vorenthalten, aber dazu später.

Aufstieg auf knapp 4000 Höhenmeter

Der Aufstieg von rund 2400 auf knapp 4000 Höhenmeter bot wunderschöne Ausblicke, war aber natürlich auch ziemlich anstrengend. Dies war nicht nur der ungewohnten Höhe, sondern vor allem dem weichen, immer wieder nachgebenden Vulkangestein geschuldet.

In „Two steps forward, one step back“-Manier schnauften wir uns in immer höhere Gefilde.

Neben unseren Schlafsäcken und warmer Kleidung taten die rund vier Liter Wasser pro Person, drei Mahlzeiten und das bei einem Standl am Weg erstandene Bier das Ihrige zum schweißtreibenden Weg in Richtung Gipfel.

Unser „Basislager“ am Acatenango, ein kleines Plateau mit Feuerstelle und einigen Zelten auf rund 3500 Höhenmetern, lag in rund drei Kilometern Entfernung zum Vulkan Fuego. Als wir die Stelle erreichten, war diese von dichtem Nebel umhüllt – ohne Sicht auf nur irgendetwas. Deswegen schlug unser Guide vor, gleich weiter ganz hinauf auf den Gipfel zu wandern, was eigentlich erst für den nächsten Morgen zu Sonnenaufgang geplant gewesen wäre. So kämpften wir uns die letzten rund 500 Höhenmeter im immer weicher werdenden Untergrund und dichtem Nebel hinauf, manchmal sah man kaum die eigene Hand vor Augen, geschweige denn den Wanderer vor einem.

Die Hoffnung, dass sich Wolken und Nebel am Gipfel irgendwann verziehen und den Blick auf die Umgebung und den Sonnenuntergang freigeben würden, erfüllte sich dann glücklicherweise – wenn auch nur für einen kurzen Moment. Aber der war’s wert!

Nächtliche Rutschpartie zum Basiscamp 

Im Dunkeln stiegen wir dann ins Basislager ab, was dank der Kombination aus Eiseskälte, dichtem Nebel, unseren mehr als mäßigen Taschenlampen und dem tiefen, brösligen Vulkangestein ein Abenteuer für sich war. Da man auf dem weichen Untergrund mehr surfend als gehend absteigen konnte, ja musste, war das dann deutlich schneller geschafft als der mühsame Aufstieg und machte – Adrenalin sei Dank – ziemlich Spaß. Auch wenn sich’s teilweise schon echt crazy anfühlte, da im Dunkeln den Vulkan runterzusmurfen, verschluckt vom Nebel und der Staubwolke der Person vor einem, deren kaum erkennbaren Taschenlampenschein man nur nicht aus den Augen verlieren sollte. Wobei mit diesem abenteuerlichen Abstieg, all dem Staub und dem Höhenunterschied nicht alle gleich gut zurechtkamen – eine Mitwandererin erbrach sich noch während des Abstiegs.

TV mal anders: Vulkan Fuego in Action

Wieder im Basiscamp angekommen, bot sich uns dann ein fabelhafter Ausblick auf den Fuego und weitere Vulkane im Umkreis, wovon einer in weiter Ferne ebenfalls aktiv war und Feuer spie. Die Wolken hatten sich verzogen und dem hell leuchtenden Vollmond Platz gemacht, der die gesamte Umgebung in sein mildes Licht tauchte und so die ganze Nacht über eine glasklare Sicht ermöglichte.

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© JanickWeger

Und dann, bereits nach wenigen Sekunden, geschah es das erste Mal – etwas, das uns die gesamte Nacht bis in den Morgen hinein begleiten und uns als unvergessliches, einzigartiges Erlebnis für immer im Gedächtnis bleiben würde: der Fuego-Vulkan brach aus. Begleitet von einem lautstarken Knall und einer dichten Rauchwolke schoss er leuchtend rote Magma hoch hinaus in die Luft, die sich gemeinsam mit riesigen, laut polternden Gesteinsbrocken ihren Weg in feuerroten Linien in Richtung Tal bahnte. Der ganze Vulkangipfel schien zu brennen und zu glühen. Was für ein Anblick!

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© JanickWeger

Unvergesslich – unbeschreiblich! Was soll man sagen, noch nie haben wir auch nur ansatzweise was Vergleichbares erlebt – Mordor lässt grüßen. Und so sollten wir stundenlang dasitzen und dem brodelnden Fuego beim Ausbrechen zuschauen, der mal mehr, mal weniger von seinem Feuer zeigte.

Sonnenaufgang und Mega-Eruption

Nach einer vulkanbedingt äußerst unruhigen Nacht mit wenig Schlaf sind Christian und ich den kalten Temperaturen zum Trotz um 4 Uhr früh wieder aufgestanden, um dann bis Tagesanbruch an diesem gewaltigen Schauspiel teilzuhaben. Zu unserer Linken ein sich aus dem Wolkenbett erhebender Vulkan, hinter dem die Sonne aufgeht, und zu unserer Rechten der Fuego mit seinen Feuerspielen.

Man wusste gar nicht wohin schauen! War es für einige Minuten ruhig, konnte man sich auf eine größere Eruption gefasst machen. Einmal knallte es so gewaltig, dass die noch schlafenden Tourkollegen aus ihren Schlafsäcken aufschreckten. Sogar bis ins dutzende Kilometer entfernte Antigua war dieser außergewöhnliche Knall zu hören. Der Ausbruch danach war phänomenal! Die Erde bebte, ein Rauchpilz schoss gen Himmel und bald schien der ganze Berg in glühendes Rot getaucht.

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Ja einfach unbeschreiblich, welche Kräfte und Gewalten hier frei werden. Und wir erste Reihe fußfrei dabei. Wahnsinn!

Vulkan Fuego: brandgefährlich?

Das war auch einer der wenigen Momente, in denen wir ernsthaft darüber nachdachten, ob es nicht vielleicht doch etwas gefährlich sei, diesem Naturspektakel so nah zu sein und ob nicht doch slightly die Gefahr bestünde, dass einer der Ausbrüche weniger berechenbar ausfallen könnte. Weiter verfolgt haben wir diesen Gedanken dennoch nicht, weil einem das geschäftige Vulkan-Tour-Business in Antigua doch irgendwie ein Gefühl der Sicherheit vermittelt. Das würden sie doch nicht machen, wenn …

20190329_122803Tja, wie anfangs schon angedeutet, haben wir im Nachhinein mehr zufällig erfahren, dass der Fuego-Vulkan, der uns mit seinen Eruptionen so wunderbar unterhalten hatte, dann doch nicht ganz so ohne ist. Als einer der aktivsten Vulkane der Welt ist er vor nicht mal einem Jahr so richtig ausgebrochen, hat dabei mehrere Dörfer dem Erdboden gleichgemacht und auf seinem Weg ins Tal hunderte Menschenleben gefordert! Von der Eruption und dem Ascheregen waren über 1,5 Millionen Menschen im Umkreis betroffen. Vom Acatenango aus hatten wir noch diskutiert, was die tiefen Furchen im Tal zu bedeuten haben und hatten diese noch für ehemalige Flüsse gehalten. Als wir kurze Zeit später daran vorbeigefahren sind, sahen wir, dass es sich dabei noch um die Folgen des vergangenen Mega-Ausbruchs handelte, dessen Schäden an Landschaft und Straßen die Behörden noch immer zu beseitigen versuchen.

In Antigua wird das natürlich weniger thematisiert, schließlich sind die Vulkan-Touren ein wichtiges Business der Region und nicht wenige würden sich wohl umentscheiden, wenn sie sich den Gefahren bewusst wären, die von diesem Naturspektakel ausgehen. Waren wir uns nicht wirklich, was unsere Experience auf jeden Fall versüßt hat.

Abstieg durch verschiedenste Vegetationszonen

Runter wählte unser wirklich äußerst netter Guide César eine andere Route als hinauf. Diese führte uns zunächst durch hochalpines, eher karges Gelände, das aber dennoch unerwartet reich an verschiedensten Pflanzen und Blumen war, und dann ohne Übergang durch feuchten regenwaldartig anmutigen Dschungel hinab in Richtung Wiesen und Felder.

Der Abstieg war mindestens so beschwerlich wie der Aufstieg, da von dem mal tiefer mal weniger tiefen Vulkangestein eine permanente Ausrutschgefahr ausging, die abzufangen eine sagen wir mal nicht ganz unerhebliche Belastung der Beinmuskulatur darstellte. Aber getreu dem Motto „runter kommen sie alle“ sollten wir auch diese Rutschpartie bewältigen und danach müde, aber überglücklich auf diese einzigartige Bergtour zurückblicken. [Nadja, 2.4.2019]


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